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Wein-Glossar: Die wichtigsten Begriffe von Abgang bis Terroir

Aktualisiert am 19. Juli 2026

Wein-Glossar: Die wichtigsten Begriffe von Abgang bis Terroir

Tannin, Cuvée, Barrique: Die Weinsprache kann auf Einsteiger wirken wie ein Geheimcode. Dabei stecken hinter den meisten Begriffen ganz greifbare Dinge, die das Verständnis und den Genuss von Wein spürbar erleichtern. Dieses Glossar erklärt die rund 30 wichtigsten Begriffe, thematisch sortiert nach Verkostung, Geschmacksangaben, Herstellung, Etikett und Servieren.

Warum lohnt es sich, die wichtigsten Weinbegriffe zu kennen?

Wer die Grundbegriffe der Weinsprache versteht, kann Etiketten lesen, Beschreibungen einordnen und beim Kauf gezielt auswählen, statt zu raten. Es geht dabei nicht um Angeberei, sondern um praktische Orientierung: Ein Wort wie "tanninbetont" oder "feinherb" sagt Ihnen sofort, ob ein Wein zu Ihrem Geschmack und Ihrem Essen passt.

Die gute Nachricht: Sie brauchen keine hundert Vokabeln. Mit den rund 30 Begriffen in diesem Glossar verstehen Sie den Großteil aller Weinbeschreibungen, Rückenetiketten und Weinkarten. Viele Begriffe hängen zudem logisch zusammen: Wer weiß, was Tannin ist, versteht auch, warum ein junger Rotwein vom richtigen Lagern oder vom Dekantieren profitiert. Einen Überblick über Rebsorten von Riesling bis Merlot finden Sie ergänzend in unserer Rubrik Weinsorten.

Welche Begriffe beschreiben den Geschmack eines Weins?

Bei der Verkostung geht es im Kern um vier Dimensionen: Gerbstoff, Säure, Körper und Länge. Die folgenden Begriffe tauchen in fast jeder Weinbeschreibung auf.

Tannin

Gerbstoffe aus Schalen, Kernen und Stielen der Traube sowie aus dem Holzfass. Tannin erzeugt das pelzige, trocknende Gefühl am Gaumen, das Sie von starkem Schwarztee kennen. Es gibt Rotweinen Struktur und Lagerfähigkeit und wird mit der Reife weicher.

Säure

Das Rückgrat jedes Weins, besonders bei Weißwein. Säure sorgt für Frische und Lebendigkeit; fehlt sie, wirkt ein Wein flach und "breit". Weine wie Riesling leben geradezu von ihrer Säurestruktur.

Körper

Das gefühlte Gewicht des Weins im Mund, von leicht (wie Magermilch) bis schwer (wie Sahne). Alkohol, Extrakt und Restzucker bestimmen den Körper.

Abgang

Der Nachhall des Weins nach dem Schlucken. Je länger die Aromen angenehm anhalten, desto höher wird die Qualität eingeschätzt.

Bukett (Bouquet)

Die Gesamtheit der Duftaromen eines Weins, die sich aus Traube, Gärung und Reifung ergibt.

Mineralität

Ein vieldiskutierter Begriff für salzige, steinige oder feuersteinartige Eindrücke, die vor allem bei Weißweinen aus kargen Lagen beschrieben werden.

Was bedeuten trocken, halbtrocken und lieblich?

Diese Begriffe beschreiben die Süße eines Weins, genauer: seinen Restzuckergehalt. Sie gehören zu den wichtigsten Angaben überhaupt, weil sie direkt über den Geschmackseindruck entscheiden.

Restzucker

Der Zucker, der nach der Gärung im Wein verbleibt, angegeben in Gramm pro Liter. Er entsteht, wenn die Hefe nicht allen Traubenzucker in Alkohol umwandelt oder die Gärung bewusst gestoppt wird.

Trocken

Weine mit maximal 9 Gramm Restzucker pro Liter (unter bestimmten Säurebedingungen), die geschmacklich nicht süß wirken. Die meisten Speisenbegleiter sind trocken ausgebaut.

Halbtrocken

Weine mit einer dezent wahrnehmbaren Süße, in der Regel zwischen 9 und 18 Gramm Restzucker. Ein guter Kompromiss für alle, die trockene Weine als zu herb empfinden.

Feinherb

Keine gesetzlich definierte, aber verbreitete Bezeichnung für Weine im Bereich zwischen halbtrocken und lieblich. Besonders bei Riesling beliebt und ein hervorragender Partner für scharfe Küche.

Lieblich und süß

Deutlich süße Weine ab etwa 18 beziehungsweise 45 Gramm Restzucker. Hochwertige Vertreter wie Auslesen oder Eisweine balancieren die Süße mit prägnanter Säure. Mehr dazu finden Sie in unserer Rubrik Süßweine.

Welche Begriffe rund um die Herstellung sollten Sie kennen?

Viele Weinbegriffe beschreiben, was im Keller passiert. Wer sie kennt, versteht, warum zwei Weine aus derselben Traube völlig unterschiedlich schmecken können. Einen ausführlichen Überblick über den gesamten Prozess gibt unser Artikel darüber, wie Wein hergestellt wird.

Cuvée

Ein Wein, der aus mehreren Rebsorten oder Partien verschnitten wurde, etwa ein klassischer Bordeaux aus Cabernet Sauvignon und Merlot. Verschnitt ist dabei kein Makel, sondern hohe Kellerkunst.

Terroir

Das Zusammenspiel aus Boden, Klima, Lage und Handschrift des Winzers, das einem Wein seinen unverwechselbaren Herkunftscharakter gibt.

Barrique

Ein kleines Eichenfass mit 225 Litern Volumen. Der Ausbau im Barrique gibt Weinen Aromen von Vanille, Röstung und Gewürzen sowie zusätzliches Tannin.

Maischegärung

Die Vergärung des Mostes zusammen mit den Schalen, das Standardverfahren für Rotwein. Dabei werden Farbe und Tannine extrahiert.

Ausbau

Die Reifung des Weins nach der Gärung, etwa im Edelstahltank (frisch, fruchtbetont) oder im Holzfass (würzig, strukturiert).

Spontangärung

Gärung mit den natürlich vorhandenen Hefen statt mit Reinzuchthefe. Gilt als riskanter, kann aber komplexere Weine ergeben.

Malolaktische Gärung

Ein biologischer Säureabbau, bei dem spitze Apfelsäure in mildere Milchsäure umgewandelt wird. Bei Rotwein Standard, bei Weißwein ein Stilmittel für cremigere Texturen.

Was bedeuten die Begriffe auf dem Etikett?

Das Etikett ist die Visitenkarte des Weins, und seine Pflichtangaben folgen klaren Regeln. Diese Begriffe helfen Ihnen bei der Kaufentscheidung, ob im Fachhandel oder beim Weinkauf online.

Jahrgang

Das Erntejahr der Trauben. Es verrät, wie jung oder gereift ein Wein ist, und bei Kenntnis der Wetterbedingungen auch etwas über den Charakter des Jahres.

Qualitätswein

In Deutschland ein Wein aus einem der 13 definierten Anbaugebiete, der eine amtliche Prüfung durchlaufen hat. Die Basisstufe für gehobene deutsche Weine.

Prädikatswein

Die höchste deutsche Qualitätskategorie, gestaffelt nach der Reife der Trauben: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein. Wichtig: Ein Prädikat sagt etwas über die Traubenreife, nicht automatisch über die Süße des fertigen Weins.

Lage und Gutsabfüllung

Die Lage bezeichnet einen konkreten Weinberg, aus dem die Trauben stammen. "Gutsabfüllung" bedeutet, dass der Erzeuger die Trauben selbst angebaut und den Wein selbst abgefüllt hat.

Alkoholgehalt

Pflichtangabe in Volumenprozent. Er gibt einen groben Hinweis auf den Körper: Leichte Weine liegen um 11 Prozent, kräftige um 14 Prozent.

Enthält Sulfite

Ein Pflichthinweis, da Schwefel bei fast jedem Wein als Schutz vor Oxidation eingesetzt wird. Die Angabe ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Allergenkennzeichnung.

Welche Begriffe brauchen Sie beim Servieren und Verkosten?

Rund um das Öffnen und Servieren gibt es eine Handvoll Begriffe, die immer wieder für Verwirrung sorgen. Praktische Anwendungstipps dazu finden Sie in unserem Ratgeber, wie Sie Wein am besten genießen.

Dekantieren

Das vorsichtige Umfüllen eines gereiften Weins in eine Karaffe, um ihn vom Bodensatz (Depot) zu trennen.

Karaffieren

Das schwungvolle Umfüllen eines jungen Weins in eine Karaffe, um ihn zu belüften und seine Aromen zu öffnen. Im Alltag werden Dekantieren und Karaffieren oft synonym verwendet, gemeint sind aber zwei verschiedene Zwecke.

Chambrieren

Das behutsame Temperieren eines Rotweins auf Trinktemperatur. Gemeint sind heute 16 bis 18 Grad, nicht moderne Wohnzimmertemperatur.

Oxidation

Die Reaktion des Weins mit Sauerstoff. In kleinen Dosen öffnet sie den Wein, in großen macht sie ihn müde, braun und sherryartig.

Korkschmecker

Ein Weinfehler durch das Molekül TCA aus fehlerhaften Korken. Der Wein riecht muffig nach nassem Karton und ist ungenießbar, aber gesundheitlich unbedenklich.

Weinstein

Harmlose Kristalle aus Weinsäure und Kalium, die sich am Flaschenboden oder Korken absetzen können. Kein Fehler, sondern ein natürliches Zeichen, dass der Wein wenig behandelt wurde.

Depot

Der natürliche Bodensatz aus Farb- und Gerbstoffen, der sich bei gereiften Rotweinen bildet und durch Dekantieren in der Flasche zurückbleibt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Dekantieren und Karaffieren?

Dekantieren trennt einen gereiften Wein vorsichtig von seinem Bodensatz, dem Depot. Karaffieren belüftet einen jungen Wein durch schwungvolles Umfüllen, damit sich seine Aromen öffnen. Im Sprachgebrauch werden beide Begriffe oft vermischt, sie verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Was bedeutet Tannin im Wein?

Tannine sind Gerbstoffe aus Traubenschalen, Kernen und Holzfässern. Sie erzeugen das leicht pelzige, trocknende Mundgefühl, das man auch von starkem Schwarztee kennt. Tannin gibt Rotweinen Struktur und Lagerfähigkeit und wird mit zunehmender Reife weicher und samtiger.

Ist eine Cuvée schlechter als ein rebsortenreiner Wein?

Nein, eine Cuvée ist lediglich ein Verschnitt aus mehreren Rebsorten oder Weinpartien und sagt nichts über die Qualität aus. Viele der berühmtesten Weine der Welt, etwa aus Bordeaux oder der Champagne, sind Cuvées. Das gezielte Verschneiden gilt als hohe Kellerkunst.

Bedeutet Spätlese immer, dass der Wein süß ist?

Nein, das Prädikat Spätlese beschreibt die Reife der Trauben bei der Ernte, nicht die Süße des fertigen Weins. Es gibt auch trocken ausgebaute Spätlesen mit entsprechendem Hinweis auf dem Etikett. Ohne den Zusatz trocken ist eine Spätlese allerdings meist merklich süß.

Sind Sulfite im Wein gefährlich?

Für die allermeisten Menschen sind die geringen Schwefelmengen im Wein unbedenklich, empfindliche Personen und Allergiker können jedoch reagieren. Der Hinweis enthält Sulfite ist eine gesetzliche Allergenkennzeichnung und steht auf fast jeder Flasche, da Schwefel den Wein vor Oxidation schützt.

Was ist Weinstein und kann man den Wein noch trinken?

Weinstein besteht aus harmlosen Kristallen von Weinsäure und Kalium, die sich bei kühler Lagerung am Flaschenboden oder Korken absetzen. Er ist kein Weinfehler und beeinträchtigt den Geschmack nicht. Gießen Sie den Wein einfach vorsichtig aus oder dekantieren Sie ihn.

Weiterführende Fragen

  • Wie verkostet man Wein wie ein Profi?
  • Was bedeuten die Lagenklassifikationen des VDP?
  • Woran erkennt man Weinfehler im Glas?
  • Was ist der Unterschied zwischen Qualitätswein und Landwein?