Süßweine gehören zu den ältesten und zugleich am meisten unterschätzten Schätzen der Weinwelt. Was heute manchmal als altmodisch gilt, war über Jahrhunderte der Inbegriff großen Weins: Der Tokajer Aszú aus Ungarn wurde an europäischen Königshöfen gefeiert, und edelsüße Rieslinge aus Deutschland zählten um 1900 zu den teuersten Weinen der Welt. Ihre Faszination liegt im Spannungsbogen zwischen konzentrierter Süße und frischer Säure – ein großer Süßwein wirkt nie klebrig, sondern vibrierend und tiefgründig.
Die Wege zur Süße sind vielfältig. Bei edelsüßen Weinen spielt oft die Botrytis cinerea die Hauptrolle: Der Edelfäulepilz perforiert die Beerenhaut, Wasser verdunstet, und zurück bleiben hochkonzentrierter Zucker, Säure und ein unverwechselbares Aroma von Honig, Dörrfrucht und Safran. So entstehen Tokajer Aszú, Sauternes und deutsche Trockenbeerenauslesen. Einen anderen Weg geht der Portwein aus dem portugiesischen Douro-Tal: Hier stoppt die Zugabe von Weinbrand die Gärung, natürliche Traubensüße bleibt erhalten, und es entstehen kraftvolle, gespritete Weine von Ruby bis zu jahrzehntealten Tawnys. Dazu kommen Eiswein, Strohwein und die Vins Doux Naturels des Südens.
In unserem Süßwein-Hub stellen wir Stile, Herstellungsverfahren und die großen Regionen von Tokaj bis zum Douro vor. Mehr zu den Herkunftsgebieten lesen Sie in unserem Guide zu den Weinregionen, und die trockenen Verwandten finden Sie bei unseren Weißweinen.